Erläuterung
Matthias Petersen, der eigentlich Matz Peters
hieß, galt als der erfolgreichste Walfänger
von Westerland-Föhr. Die Grabplatte aus hellem
Sandstein, die aufrecht in einen modernen Zernentfuß
gestellt wurde, erzählt uns, daß der
Commandeur im Laufe seines Lebens durch unglaubliches
Glück 373 Wale fing, was ihm den Beinamen
"Der Glückliche" (Felicis) einbrachte.
Dieses Fangergebnis war nur möglich, weil
M. Petersen als Commandeur noch an der sog. "Baienfischerei",
die gegen 1660 abrupt zu Ende ging, beteiligt
war Die Walfänger stießen damals in
den Buchten (Baien) auf ungeheure Mengen von Walen,
so daß sie die für eine erfolgreiche
Reise erforderliche Anzahl von Tieren in kurzer
Zeit in den Buchten erlegten. Die Beutetiere konnten
danach direkt an Land geflenst (abgespeckt) werden.
Vor Ort wurde der Speck in riesigen Kupferpfannen
ausgelassen, und so konnte der zu Beleuchtungszwecken
begehrte Tran gewonnen werden. Nach wenigen Jahrzehnten
Raubfang waren die Baien leergefischt. Nun begann
die See- oder Eisfischerei, die weitaus mühevoller,
gefährlicher und ertragsärmer war. Man
suchte den Wal fortan im offenen Wasser und jagte
den bis zu 18 Meter langen Giganten von kleinen
Schalupen aus. Das Flensen der harpunierten Wale
geschah nun längsseits des Schiffes an der
Backbordseite (links). Der Speck wurde in Stücke
geschnitten, in Fässer gepackt und erst später
in zahlreichen Tranbrennereien, die wegen des
entsetzlichen Gestankes weit außerhalb der
Heimathäfen lagen, ausgelassen.

Der Glückliche Matthias erreichte sein legendäres
Fangergebnis auch durch die lange Fahrenszeit
als Commandeur. Dem Zwanzigjährigen vertraute
man bereits die Führung eines Walfangschiffes
an. 50 Jahre lang fuhr er als Commandeur. Verbunden
mit diesen Erfolgen wurde er auch ein vermögender
Mann. Während der letzten Lebensjahre verließ
ihn das Glück. Er wurde 1702 während
des spanischen Erbfolgekrieges von einem französischen
Kaperschiff aufgebracht und konnte sich und die
Mannschaft nur durch die Zahlung von 8.000 Reichstalern
(n. heutiger Kaufkraft ca. 600.000 DM) freikaufen.
Dies war seine letzte Fahrt. 1701 wurde sein ältester
Sohn Matz, ebenfalls Commandeur, von einem franz.
Kaper aufgebracht, nach St. Malo geführt
und blieb seitdem verschollen. 1702 fielen seine
beiden Söhne Ock und John im Gefecht mit
einem franz. Piraten. Im Gotteshaus von St. Laurentii
erinnern der 1. und 3. der Kronleuchter aus Messing
an den "Glücklichen Matthias".
Gemeinsam mit seinem Bruder stiftete er sie 1677
seiner Gemeinde.
Matthias Petersen, der um die Wichtigkeit einer
guten Ausbildung wußte, ließ seine
Kinder von einem Privatlehrer unterrichten. So
konnte sein Sohn Clement studieren. Er wurde Prediger
in Schwesing. Wahrscheinlich hat er den lateinischen
Text auf der Grabplatte seines Vaters verfaßt.
Ein anderer Sohn, Peter Mattiessen, besuchte die
Lateinschule in Husum, studierte in Jena und wurde
Landvogt von Osterlandföhr, Gerichtsvogt
von Wyk und gleichzeitig Landvogt von Sylt.
Dessen Sohn, ein Enkel des "Glücklichen
Matthias", auch ein Peter Mattiessen, wurde
ebenfalls Landvogt von Osterlandföhr, dazu
Birkvogt von Westerlandföhr und Amrum. Durch
Struensee, einen Studienfreund, wurde P.M. 1771
zum Bürgermeister von Kopenhagen berufen.
Nach der Ermordung Struensees wurde er Direktor
des dänischen "Handels- und Fischereiinstituts"
in Altona. Von hier aus vermittelte er viele Föhrer
Seefahrer, vor 'allem auch Kapitäne, an den
"Grönlandhandel".
Nach seinem Tode im Jahre 1706 wurde mit dem "Glücklichen
Matthias" recht unrühmlich umgegangen.
Als nämlich seine Erben nach 14 Jahren noch
immer nicht die versprochenen 100 Reichstaler
für sein Begräbnis in der Kirche vor
dem Altar bezahlt hatten, wurde er kurzerhand
auf den Friedhof umgebettet - was freilich auch
kein schlechter Platz ist.
|